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Grégoire Delacourt - Alle meine Wünsche

WDR 2 Buchtipp, 21.10.2012

Eine Frau in einem kleinen Nest in Nordfrankreich, die ein bescheidenes Leben führt. Ein eher zufällig ausgefüllter Lottoschein. 18 Millionen Gewinn – die zu einer unerwarteten Tragödie führen.

Cover: Grégoire Delacourt - Alle meine Wünsche

Die Handlung

Die Geschichte spielt in einem kleinen Nest im Norden Frankreichs. Jocelyne hat einen Kurzwarenladen, verkauft Stoffe, Knöpfe, Nadel, Garn. Sie ist 47 Jahre alt, schon ewig verheiratet, die zwei Kinder sind groß, längst aus dem Haus. Das Leben plätschert so vor sich hin, sie hat Sehnsucht, aber wonach, ist ihr nicht klar.
Sie liebt ihren Mann. Glaubt sie jedenfalls. Sie hofft noch immer, er könne sie schön finden, weiß aber auch, dass er das noch nie getan hat. Mit ihrem bescheidenen Leben ist Jocelyn ganz zufrieden. Sie ist nicht glücklich, aber unglücklich ist sie eben auch nicht. Nur weil ihre Freundinnen nicht locker lassen, füllt sie eines Samstags einen Lottoschein aus. Gewinnt 18 Millionen und erzählt keinem Menschen etwas davon. Dass im Leben Dinge schiefgehen können, weiß sie. Aber dass mit einem Lottogewinn eine derartige persönliche Tragödie über sie hereinbrechen würde, konnte Jocelyne nicht ahnen.

Der Autor

Wurde 1960 dort geboren, wo die Geschichte dieses Romans spielt, in Nordfrankreich. Heute lebt er mit seiner Familie in Paris. Grégoire Delacourt war Werbetexter und bekam schon für seinen ersten Roman sehr gute Kritiken und ein paar Literaturpreise. Sein zweiter Roman “Alle meine Wünsche” wurde in Frankreich ein Bestseller und erscheint in diesem Herbst weltweit in zahlreichen Ländern.

Die Bewertung

Das Umschlagbild vorne auf dem Buch sieht bieder, trist und fast ein wenig trostlos aus. Und dann noch der Titel: Alle meine Wünsche. Titel und Bild, eine ausgesprochen müde Kombination und damit ein Buch zum Weglegen. Man lügt sich immer an, heißt der erste Satz. Manchmal genügt mir schon ein kleiner erster Satz wie dieser, um dennoch meine Aufmerksamkeit zu wecken.
Das Buch hat nur knapp 130 Seiten, aber es hat es in sich. Der Ton ist ruhig, bedächtig, ändert sich auch nicht, als die Geschichte durch den Lottogewinn eine völlig unerwartete Wendung nimmt. Nein, es wird nicht das Klischee von der Lottomillionärin beschrieben, die sich alle Wünsche erfüllen kann und dennoch nicht recht glücklich wird. Es passiert etwas anderes, etwas Ungeheuerliches. Man verfolgt beim Lesen mit stillem Staunen, wie sachte, beinahe belanglos sich eine persönliche Tragödie entwickelt und wie zurückhaltend sie beschrieben wird.
Wann hat man Lust, ein Buch zu empfehlen? Wenn kleine Geschichten in einem selbst große Wirkung entfalten. Wenn sie noch lange nachhallen. Dieser Roman mit dem langweiligen Titel und dem öden Umschlag ist ein Buch, das ich sehr gern empfehle.

Grégoire Delacourt
Alle meine Wünsche
Verlag: Hoffmann und Campe
ISBN: 978-3-455-40384-8
Preis: 15,99 Euro

Kategorie:

© 2016 Christine Westermann