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John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter

WDR 2 Buchtipp, 23.09.2012

Die Geschichte zweier amerikanischer Jugendlicher, die sich in Indianapolis in einander verlieben. Soweit, so alltäglich. Doch beide haben Krebs, dem Mädchen geben die Ärzte nicht mehr viel Zeit. Scharfsinnig, humorvoll, geschliffen.

Cover: John Green - Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Die Handlung

Die Geschichte spielt in den USA, in Indianapolis. Hazel ist 16 Jahre alt, sie hat Lungenkrebs. Wie lange sie noch leben wird, ist ungewiss, die Ärzte geben ihr nicht mehr viel Zeit. In einer Selbsthilfegruppe lernt sie Gus kennen, auch er hat Krebs, durch die Krankheit ein Bein verloren, seine Überlebenschancen aber sind, sagen die Ärzte, sehr gut. Er fühlt sich sofort zu ihr hingezogen, sie zögert, hat Angst sich zu verlieben, so kurz vor dem Sterben.
Als sie Gus ihren größten Wunsch anvertraut, den Autor ihres Lieblingsbuches kennenzulernen, macht er diesen Traum für sie wahr. Sie fliegen zu dem Mann nach Amsterdam. Und mehr darf man von dieser Geschichte unter keinen Umständen preisgeben. Warum? Wenn man das Buch gelesen hat, ist klar, warum.

Der Autor

John Greene hat seit 2007 mehrere Jugendromane geschrieben, die sofort Bestseller wurden und Preise bekamen. “Das Schicksal ist ein mieser Verräter” aber toppt alles. Das Buch war in den USA 2011 schon Wochen vor seinem Erscheinen auf der Bestsellerliste, der Autor signierte vorab hundertfünzigtausend vorbestellte Bücher. Seit seinem Erscheinen im letzten Jahr steht das Buch auf der Bestsellerliste der “New York Times” ganz oben. John Greene lebt mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in Indiana. Und legt großen Wert auf die Tatsache, dass die Geschichte von Hazel und Gus frei erfunden ist.

Die Bewertung

Fast hätte ich das Buch übersehen. Obwohl das mit dem Übersehen schwierig ist. Überall in den Zeitungen sind mir die großformatigen Anzeigen aufgefallen, in denen das Buch hochgelobt wird. Nicht einfach so. Beinahe zärtlich schreiben sehr erwachsene Kritiker, wie sehr sie dieser Roman berührt habe. Wie die Geschichte von Hazel und Gus zu den schönsten, den emotionalsten gehört, die sie seit langem gelesen haben. Dabei hat John Green den Roman für Jugendliche und nicht für Erwachsene geschrieben, aber eigentlich ist das auch egal. So klar, so intelligent, scharfsinnig, humorvoll und witzig hat wohl noch nie jemand über die Liebe zum Leben, das Sterben und den Tod geschrieben. Ich habe lange gezögert, das Buch zu lesen. Ich wollte nicht erschüttert werden, wollte nicht eintauchen in das Leid anderer Menschen. Völlig falsch.

Man versinkt nicht in Dunkelheit und Trübsinn, wenn man diese Geschichte liest. Man hat zu keiner Sekunde Mitleid mit Hazel und ihren krebskranken Freunden. Dafür spürt man beinahe sofort etwas viel Wichtigeres: einen unglaublichen Respekt für diese jungen Menschen. Wie sie auf den allgegenwärtigen Krebs-Bonus pfeifen. Wie sie ihre eigenen Grabreden halten, weil sie bald sterben werden und bei ihrer Beerdigung gern dabei wären. Der Ton ist zuweilen heftig, ernst, aber wechselt mit einer unglaublich guten, geschliffenen Sprache immer wieder schnell ins Ironische, Witzige, Humorvolle. Wie einer der erwachsenen Kritiker es ebenso gut wie einfach formuliert hat: “Du lachst und Du heulst und dann kommst du wieder und willst mehr.”
Was für ein Buch.

John Green
Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Verlag: Hanser
ISBN: 3446240098
Preis: 16,90 Euro

Kategorie:

© 2016 Christine Westermann