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Anna Stothard - Pink Hotel

WDR 2 Buchtipp, 02.09.2012

Pink Hotel – das ist großes Kino. Berührend, meint WDR Buchexpertin Christine Westermann, wegen der Menschen, die in diesem Buch eine Rolle spielen. Das Ende: wie aus dem richtigen Leben. Unbedingt lesenswert.

Cover: Anna Stothard - Pink Hotel

Die Handlung

Das Pink Hotel steht in Los Angeles, aber die Geschichte beginnt in London, wo eine 17-jährige mit ihrem Vater und einer nervenden Stiefmutter lebt. An ihre richtige Mutter Lily hat sie kaum eine Erinnerung, sie ist schon lange verschwunden. Den Vater fragt die Tochter schon lange nicht mehr nach ihr, er bleibt stumm. Bis eines Tages das Telefon klingelt und ein Beamter aus L.A. sich meldet. Lily, die verschollene Mutter, ist dort tot gefunden worden, vor wenigen Tagen erst.

Zwanzig Stunden und eine geklaute Kreditkarte später steht das Mädchen im Schlafzimmer der Mutter, im Pink Hotel in Venice Beach in Kalifornien. Unten im Hotel hört man noch den abebbenden Lärm der betrunkenen und bekifften Trauergäste. Das Mädchen findet unter dem Bett einen roten Koffer, wirft ein paar Kleider der toten Mutter hinein, will mit einer Erinnerung zurück nach London. Aber sie bleibt, viele Monate. Denn im Koffer findet sie eine Spur in das aufregende Leben der Mutter und zu den Männern, die sie geliebt haben. Und einem von ihnen kommt die Tochter näher, ohne von seinem Vorleben zu wissen.

Die Autorin

Anna Stothard ist noch jung, 29 Jahre alt, in London geboren, wo sie auch lebt. Sie hat in Oxford englische Literatur studiert, ging dann nach Los Angeles, an das American Film Institute, um zu lernen, wie man Drehbücher schreibt. Die Filmrechte für dieses Buch, ihr zweites, sind bereits verkauft. Während ihres Studiums hat Anna Stothard übrigens in Hollywood ganz in der Nähe eines kleinen Hotels gewohnt. Sein Name: Pink Hotel.

Die Bewertung

Sagt man doch mal schnell, wenn einem etwas sehr gut gefällt: Das ist großes Kino. Aus diesem Roman ließe sich tatsächlich großes Kino machen, verfilmt vor der beeindruckenden Kulisse Hollywoods. Nein, falsch: das wird nicht rührend, es wird höchstens berührend. Wegen der Menschen, die in diesem Buch eine Rolle spielen. Zum einen die, die das mit dem Lieben und dem Leben schon hinter sich haben und zum anderen jene, die gerade erst damit anfangen und noch staunen können, wenn sie glauben, dass so die große Liebe ist.

Das ist der eher sanfte Teil des Romans. Der harte und brutale holt einen in die Wirklichkeit zurück. Es wird ordentlich geraucht und getrunken und gekifft in diesem Buch, das macht einen hin und wieder ein bisschen müde und mürbe, aber selbst leicht benebelt hält der Roman die Form und die Spannung. Es gibt ein gutes Ende. Und das heißt in diesem Fall kein Hollywood-Happy End. Es ist eines aus dem richtigen Leben. Nicht ganz glücklich, aber auch nicht ganz traurig. Das ist richtig gut gemacht. Nicht nur das Ende, der ganze Roman.

Anna Stothard
Pink Hotel
Verlag: Diogenes
ISBN: 978-3257300079
Preis: 14, 90 Euro

Kategorie:

© 2016 Christine Westermann