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Juan Moreno - Teufelsköche

WDR 2 Buchtipp, 21.10.2011

Cover: Juan Moreno - Teufelsköche

Die Handlung

erzählt 17 ungewöhnliche Geschichten von Menschen, die Koch geworden sind, zum Beispiel vom Leibkoch des ugandischen Diktators Idi Amin, der sein ganzes Berufsleben für den Massenmörder gekocht hat und versichert: In unserem Kühlschrank war nie Menschenfleisch.

Von einem New Yorker Gastronom, dem Gäste 40.000 Dollar bieten, um in seinem Restaurant einen Tisch zu bekommen. Klappt aber nicht. Nur für den Papst oder den Präsidenten nimmt er kurzfristige Reservierungen an.

Von dem verurteilten Vergewaltiger, der im Todestrakt eines texanischen Gefängnisses schon mehr als zweihundert Henkersmahlzeiten zubereitet hat. Drei Geschichten von insgesamt 17.

Der Autor

Juan Moreno, 39 Jahre alt, ist Journalist, war Absolvent der Deutschen Journalistenschule in München. Schrieb für die “Süddeutsche Zeitung”, arbeitet nach seiner langen Weltreise als Moderator beim WDR und schreibt Reportagen für den “Spiegel”. Er lebt in Berlin.

Die Bewertung

Das Foto auf dem Buchdeckel zeigt einen herben, fast derben Mann im Kochanzug. In der einen Hand eine fette Zigarre, in der anderen ein monumentales Küchenmesser.

Nicht noch ein Buch über Köche bitte, habe ich beim ersten Hinschauen gedacht. Zumal der Titel jetzt nicht gerade der Brenner ist: Teufelsköche. Aber der Name des Autors hat sofort mein Interesse geweckt.

Juan Moreno, ein Journalist, der begnadet schreiben kann. Vor ein paar Jahren nahm er eine Auszeit, reiste um die Welt, kam mit Ideen zurück, wohl auch für dieses Buch, über das er selbst sagt: Es ist kein Kochbuch, obwohl Rezepte darin stehen (unter anderem ein Kartoffelsalatrezept für hundert Personen). Es ist kein Buch über Starköche, obwohl Stars darin sind. Es geht nichts ums Essen, obwohl davon immer wieder die Rede ist. Es ist ein Buch über Köche, weil sie die besten Geschichten erzählen.

Auch der Mann vorne auf dem Buchdeckel. Gerry Adesso kam als Dreher nach Deutschland, brachte auch mal schlechten Fisch von Italien hierher. Wunderte sich, dass die Deutschen das Zeug mochten, wurde Koch, war erfolgreich und sitzt jetzt wegen Drogenhandels im Knast. Der Autor des Buches und sein Fotograf haben ihn im Hochsicherheitstrakt eines Münchner Gefängnisses besucht, wo er eine Weile die Zelle mit Holger Pfahls, dem ehemaligen Staatsekretär, teilte.

Teufelsköche ist ein bemerkenswertes Buch, das einen immer wieder lachen und manchmal fast auch weinen lässt. Mit großartigen Fotos, die geniale Wegbereiter für die Geschichten sind. Sie ziehen einen sofort hinein und die Menschen, von denen erzählt wird, werden in Sekunden lebendig. Und bleiben es.

Wie der Mann, der versuchen will, als Bootsflüchtling von Algerien nach Europa zu kommen. Sein größter Traum: Koch bei McDonalds. Die Geschichte dieses Afrikaners hat den Journalisten Moreno mehr bewegt als viele andere. So sehr, dass er noch Monate nach dem Gespräch von ihm träumte, weil er sich große Sorgen um ihn machte. Er weiß bis heute nicht, ob er jemals in Europa angekommen ist.

Juan Moreno
Teufelsköche – An den heißesten Herden der Welt
Fotos: Mirco Taliecio
Verlag: Piper
256 Seiten
mit ca. 50 Farbabbildungen
ISBN: 9783492054683
Preis: 24,99 Euro

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© 2016 Christine Westermann