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Journalistin

Jurysitzung zum Deutsche Buchpreis 2011

Externer Link: Deutscher Buchpreis 2011 Homepage

In diesem Jahr entscheiden sechs Juroren über den Deutschen Buchpreis 2011. Gelesen, bzw. angelesen haben alle Juroren mehr als zweihundert Bücher. Welches dieser Bücher gehört zu den zwanzig besten des Jahres 2011? Wer kommt auf die Longlist? Fast acht Stunden diskutierten darüber mehr als engagiert zwei Männer und vier Frauen am 4. August in Frankfurt a. Main. Sechs Menschen, sechs Meinungen.

Immerhin: Vier meiner Favoriten finden sich auf der Liste der zwanzig besten Bücher wieder.

1. »Adams Erbe« / Astrid Rosenfeld/Diogenes Verlag

Es spielt in Berlin und Warschau, im Mittelpunkt stehen der kleine Eddy und seine jüdische Familie. Von seinem Großonkel Adam erzählt die Verwandtschaft nur sehr vage und vorsichtig, ihn umgibt ein großes Geheimnis, hinter das der kleine Eddy aber erst kommen wird, wenn er längst erwachsen ist. Jahrzehnte nach dem Tod der Großmutter entdeckt er auf dem Dachboden ein braunes Paket. Darin eingewickelt: Liebesbriefe, geschrieben im Warschauer Ghetto,
Briefe von Adam an eine gewisse Anna. Liebeserklärungen, die Anna nie erreicht haben.

2. »Leon und Louise« / Alex Capus/HanserVerlag

Die Handlung spielt in Frankreich. Es ist die Geschichte einer großen Liebe, der Kriege nichts anhaben können und die Zeit sowieso nicht. 68 Jahre im Leben zweier Menschen, die nie zusammenleben, aber doch ein grandioses, ein bezauberndes Liebespaar werden. Ihre Liebe beginnt im ersten Weltkrieg, irgendwo an der französischen Atlantikküste. Als Leon und Louise bei einem Ausflug in einen Bombenangriff geraten, getrennt werden und schwer verletzt in einer Klinik zu sich kommen, halten sie einander für tot. Zehn Jahre später, Leon ist schon verheiratet und lebt in Paris, sieht er Louise in einer vorbeifahrenden Metro. Sie treffen sich, verbringen eine Nacht, aber sie werden nicht zusammenkommen. Nicht für immer. Nur manchmal. Aber das stört sie nicht. Sie leben in der fröhlichen Gewissheit, dass ihre große Liebe füreinander nie enden wird. Und sie behalten recht.

3. »Gruber geht« / Doris Knecht/Rowohlt Verlag

Die Handlung : Sie spielt in Wien, Berlin Zürich. Gruber ist ein gutaussehender, sehr erfolgreicher Manager, dessen Leben aus Business Class-Flügen, Designerapartment und attraktiven Frauen besteht. Ganz nebenbei ist er auch noch ein Kotzbrocken, aber das stört ihn nicht weiter. Das, was an diesem Typen so beeindruckend ist, fällt in sich zusammen, als Gruber erfährt, dass er einen Tumor im Bauch hat. Und jetzt ?
Jetzt beginnt eine wirklich gute Geschichte.

4. »Sunset« Klaus Modick / Eichborn Verlag

Die Handlung spielt in Los Angeles, in Berlin, in den USA, in der DDR und der Bundesrepublik. Sunset beschreibt einen Tag im Leben des bekannten deutschen Schriftstellers Lion Feuchtwanger, der vor der Nazidiktatur nach Kalifornien floh und nicht mehr nach Deutschland zurückkehrte. An einem August-Tag im Jahr 1956 bekommt er in seinem Haus in Los Angeles ein Telegramm aus Ost-Berlin. Sein Freund und geschätzter Kollege Bertold Brecht ist tot.
Eine Nachricht , die viele Erinnerungen wachruft und eine Zeitreise in Gang setzt.

Bei der nächsten Jurysitzung Anfang September müssen aus den zwanzig Vorschlägen die sechs besten für die Shortlist gewählt werden. Und was für die Longlist galt, gilt dann für die Shortlist: sechs Menschen, sechs Meinungen.

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© 2016 Christine Westermann