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Astrid Rosenfeld - Adams Erbe

WDR 2 Buchtipp, 06.03.2011

Cover: Astrid Rosenfeld - Adams Erbe

Die Handlung

Edward Cohen wächst in einer jüdischen Familie auf, ist als Kind nicht gerade das hellste, glaubt zumindest seine Mutter Magda. Auch seine Oma sieht die Entwicklung des Jungen eher skeptisch, zu groß ist schliesslich die Ähnlichkeit mit Adam, seinem Großonkel. Jener Adam ist im Zweiten Weltkrieg spurlos verschwunden. Mit ihm Geld und Schmuck, Wertsachen, die die jüdische Familie Cohen dringend gebraucht hätte, um nach England zu fliehen. Edward hat Adam nie kennengelernt, genau wie viele andere seiner Verwandten, die im Holocaust umgekommen sind. Vom Großonkel Adam wird nur sehr vage und vorsichtig erzählt, ihn umgibt ein großes Geheimnis, hinter das der kleine Adam aber erst kommen wird, wenn er längst erwachsen ist.

Jahrzehnte nach dem Tod der Großmutter entdeckt er auf dem Dachboden ein braunes Paket. Darin eingewickelt: Liebesbriefe, geschrieben im Warschauer Ghetto, Briefe von Adam an eine gewisse Anna. Liebeserklärungen, die Anna nie erreicht haben.

Die Autorin

Astrid Rosenfeld wurde in Köln geboren, ist 33 Jahre alt. Sie wollte Schauspielerin werden, begann eine Ausbildung. Diese hat sie abgebrochen, um für andere Menschen Rollen auszusuchen. Sie castet Schauspieler für Kinofilme. Zur Zeit lebt die Autorin in Berlin, das Buch ist ihr erster Roman.

Die Bewertung

Dieses Buch führt in die Irre. Und wie gut das gelingt, ist erstaunlich und großartig zugleich.

Der erste Teil des Romans, die turbulente Kindheit von Edward Cohen inmitten seiner merkwürdigen Familie, wird komisch und unglaublich witzig erzählt.

Man ist mit Edward in all dem Chaos unterwegs, fragt sich nur hin und wieder leicht verwundert, wo diese Geschichte eigentlich hin will. Als besonders dringlich empfindet man die Frage allerdings auch wieder nicht, denn schließlich amüsiert man sich prächtig.

Bis der zweite Teil des Buches mit einem Rückblick beginnt, der ins Nazideutschland und ins Warschauer Ghetto führt.

Was dann beim Lesen passiert, ist sehr beeindruckend. Kaum merklich verändert sich der Ton der Geschichte, noch schmunzelt man über den schlauen Adam, und wie es ihm gelingt, die Nazis zu foppen. Ganz sachte aber rutscht man tief in das Grauen jener Zeit hinein, bis einem das Lachen buchstäblich im Halse stecken bleibt. Diese sanfte, kaum merkliche Veränderung ist brillant in Worte gepackt, Teil eins und Teil zwei sind völlig unterschiedlich und scheinen dennoch wie aus einem Guss. Was sie wohl verbindet, ist der unerschrockene Humor, so hat es ein Kritiker formuliert. Zwei Worte, die es auf den Punkt bringen: Trotz des großen Schreckens bleibt ein vorsichtiges Lachen übrig.

Ein ganz besonderes Buch, diese Geschichte über Adam und sein Erbe. Sehr empfehlenswert.

Astrid Rosenfeld
Adams Erbe
Verlag: Diogenes
ISBN: 3257067720
Preis: 21,90 Euro

Kategorie:

© 2016 Christine Westermann