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Martin Suter - Allmen und die Libellen

WDR 2 Buchtipp, 30.01.2011

Cover: Martin Suter - Allmen und die Libellen

Die Handlung

zeichnet zu Beginn das sanfte Porträt eines Lebemannes. Er heißt Johann Fritz von Allmen, ist Kunstsammler und Gentleman, der auf sehr stilvolle Art das Millionenerbe seines Vaters durchgebracht hat. Das weiß aber keiner, weshalb Herr Allmen überall noch sehr kreditwürdig ist. Er kann zwar schlecht mit Geld umgehen, dafür aber umso besser mit seinen Gläubigern. Durch seine feine, aristokratische Art nimmt er sie für sich ein, sein Butler Carlos tut ein Übriges, um den schönen Schein zu wahren.

Irgendwann aber wird es finanziell äußerst eng, Allmen wird bedroht. Als ihn eine betrunkene Frau nach einem Fest in ihre Villa abschleppt, und er dort, nach getaner Arbeit, im Morgengrauen in einem kleinen Nebenraum kostbarste Jugendstil-Schalen, geformt wie Libellen, entdeckt, entwickelt er eine erstaunliche kriminelle Energie. Immer an seiner Seite: der Butler Carlos.

Der Autor

Martin Suter, geboren in Zürich, ist 62 Jahre alt und eine arme Socke, weil er nur alle vier Jahre Geburtstag hat, er wurde am 29. Februar geboren.

Suter ist seit vielen Jahren ein sehr erfolgreicher Schriftsteller, Kolumnist, Drehbuchautor. Sein letzter Roman „Der Koch“ steht noch immer auf den Bestsellerlisten.

Die Bewertung

Wenn man einen Roman von Martin Suter liest, ist das ungefähr so, als habe man etwas Schönes gekauft. Einen feinen Kaschmirpullover zum Beispiel oder eine gute Flasche Wein: man hat ein wohliges Gefühl.

Suter hat eine außerordentliche Begabung mit feiner Beiläufigkeit die Dinge des Lebens zu beschreiben. Die schönen, aber auch die weniger erfreulichen. Im vorliegenden Roman ist es ein Vergnügen mitzuerleben wie besagter Allmen frühstückt, mit welcher lässigen Sorgfalt er seine Klamotten auswählt, wie er Frauen charmant – unverbindlich um den Finger wickelt.

Suters Romane, auch dieser, lesen sich mühelos, haben aber dennoch zu keiner Zeit etwas Oberflächliches oder gar Banales. Er schreibt angenehm altmodisch, hat mal ein Kritiker über seinen Stil geurteilt, das trifft es auf den Punkt.

Ich habe den neuen Suter sehr gern gelesen. Keine Geschichte, die Herz oder Kopf in Aufruhr bringt. Aber so wie sie Suter erzählt, stellt sich beim Lesen eine angenehme Behaglichkeit ein.

Schönes Buch. Und was beinahe noch schöner ist: Martin Suter wird die Sache mit Allmen und den Libellenschalen fortsetzen, zwei weitere Bände sind schon fertig.

Martin Suter
Allmen und die Libellen
Verlag: Diogenes
ISBN: 9783257067774
Preis: 18,90 Euro

Kategorie:

© 2016 Christine Westermann