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Robert Williams - Luke und Jon

WDR 2 Buchtipp, 23.01.2011

Cover: Robert Williams - Luke und Jon

Die Handlung

Eine im Prinzip einfache Geschichte, die in England spielt: Wie aus zwei Jungen, die Außenseiter sind, Freunde werden. Aber bis es zu diesem guten Ende kommt, ist nichts einfach. Im Gegenteil.

Lukes manisch depressive Mutter stirbt bei einem Verkehrsunfall, der Vater zieht mit dem Sohn in eine neue Stadt, beginnt zu trinken, das Leben der beiden gerät restlos aus den Fugen.

Jons Mutter stirbt, als er sechs Jahre alt ist, die Großeltern nehmen ihn auf. Die drei wohnen in einem völlig verwahrlosten Haus, mit ständiger Angst vor dem Jugendamt, das ihnen den Jungen wegnehmen könnte. Als sich die beiden Kinder in der Schule treffen, finden sie sich gegenseitig so merkwürdig, dass sie sich aus dem Weg gehen. Aber genau das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Der Autor

Robert Williams ist 33 Jahre alt und war lange Zeit Buchhändler. Er lebt im englischen Manchester, obwohl ihm eine Stadt am Meer eigentlich lieber wäre. „Luke und Jon“ ist sein erstes Buch, für das er ausgezeichnet wurde. Mit einem Preis, den Buchhändler bekommen, die selbst Romane schreiben. Das Buch war in England ein Bestseller und wurde in mehrere Sprachen übersetzt.

Die Bewertung

An diesem Buch hat mich erstmal nichts interessiert. Nicht das müde, pastellfarbene Cover und die langweilige Kurzbeschreibung der Geschichte schon gar nicht. Geschichten über Freundschaft, über Verlust und das Erwachsenwerden habe ich zu oft gelesen, ich weiß schon vorher, wie es ausgeht.

Es war dann ein Satz, der mich aufmerksam gemacht hat: Der Autor ist für sein Buch mit einem Preis ausgezeichnet worden, der Buchhändlern vorbehalten ist, die Romane schreiben. Buchhändler sind immer gute Ratgeber, um gute Bücher zu entdecken. Wenn einer von ihnen selbst eines schreibt und dafür ausgezeichnet wird, könnte es sich lohnen, es zu lesen.

Es hat sich gelohnt. Es ist genauso wie im Klappentext beschrieben. Eine Geschichte über Freundschaft und Verlust, aber wie der Autor das beschreibt, ist ungewöhnlich, fein beobachtet, manchmal traurig, aber dennoch voller Kraft und Zuversicht, hat ungewöhnliche Wendungen und Einfälle, ist spannend, weil man bis zum Ende nicht weiß, ob es ein gutes Ende nehmen wird.

Der Anfang ist übrigens mindestens so gut wie der Schluss. Das wiederum hat mit dem englischen Buchhändlerpreis zu tun. Die Teilnehmer müssen die ersten zehntausend Wörter ihres Manuskriptes einsenden, danach wird entschieden, wer in die engere Wahl kommt. Ich hatte schon nach den ersten zwanzig Wörtern Lust, dieses Buch zu lesen. Und war nach knapp zweihundert Seiten sehr froh, es getan zu haben.

Robert Williams
Luke und Jon
Verlag: Berliner Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783833307034
Preis: 8,95 Euro

Kategorie:

© 2016 Christine Westermann