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Wolfgang Herrndorf - Tschick

WDR 2 Buchtipp, 14.10.2010

Cover: Wolfgang Herrndorf - Tschick

Die Handlung

Zwei 14-jährigen Jungen irgendwo in Deutschland: Der eine ist Maik. Seine alkoholkranke Mutter kommt immer mal wieder in die Entzugsklinik, Besuch in der “Schönheitsfarm” lautet die offizielle Sprachregelung. Sein Vater geht derweil mit einer hübschen Frau, die er seine Assistentin nennt, auf Geschäftsreise. Lässt Maik zu Beginn der Sommerferien mit zweihundert Euro in der elterlichen Villa zurück.

Der andere Junge ist Tschik, ein Russlanddeutscher, der zu Maik in die Klasse kommt, ein bisschen asi, ein bisschen zu oft betrunken, sehr intelligent. Die beiden haben eigentlich nichts miteinander zu tun, bis Tschick mit einem geklauten Auto bei Maik vorfährt. Wohin er will? Keine Ahnung, “irgendwo in die Walachei zu einem Onkel”, schlägt er Maik vor.

Der Autor

Wolfgang Herrndorf wurde 1965 in Hamburg geboren, hat Malerei studiert, unter anderem für die “Titanic” gezeichnet. Sein erster Roman erschien 2002. Vor zwei Jahren wurde er für sein zweites Buch (“Diesseits des Van-Allen-Gürtels”) mit dem deutschen Erzählpreis ausgezeichnet.

Die Bewertung

Der erste Impuls, und der zweite und der dritte: In dieses Buch möglichst viele Eselsohren zu machen, um all die schönen Stellen, die einen gerührt haben, wiederzufinden und nachzulesen. Szenen, bei denen man laut gelacht oder einfach nur in sich hineingekichert hat. Sätze, die wehmütig, melancholisch, nachdenklich gemacht haben. Am Schluss, nach 253 Seiten, bleibt man ganz still sitzen, weil man fürchtet, der Zauber, der der Geschichte innewohnt, könne allzu schnell verfliegen.

Man liest ein Buch, aber eigentlich hört man einen 14-Jährigen sprechen. Maik macht keine großen Worte – und doch welche, in denen er Großes sagt. Über die Liebe, das Leben, das Alter, die guten und die schlechten Menschen. Eine beeindruckende und wahrhaftige Sicht auf die Dinge des Lebens, die einem als Erwachsener schon verlorengegangen ist.

Tschick ist ein Buch, das Eltern ihren Kindern und Kinder ihren Eltern schenken sollten. Es wird funktionieren. Egal, ob man 14, 34, 64 ist. Oder 94. Von der Zeitlosigkeit dieses Buches hat ein Kritiker geschrieben, weil es auch in 50 Jahren nicht alt sein wird.

In meinem Bücherregal gibt es ein Fach für zeitlose Bücher. Zeitlos sind all jene mit reichlich Eselsohren. “Tschick “ gehört ab sofort dazu.

Wolfgang Herrndorf
Tschick
Verlag: rowohlt
ISBN: 9783871347108
Preis: 16,95 Euro

Kategorie:

© 2016 Christine Westermann